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11. Formate und Inhalte für die Sprachvermittlung

 


Sprache ist der erste Schlüssel, um in der Gesellschaft anzukommen und um weitere konkrete Angebote, ob auf den Arbeitsmarkt oder im bürgerschaftlichen Engagement, nutzen zu können. Angebote zur Sprachvermittlung sind fest in der lokalen Willkommenskultur verankert und einer der größten Engagementbereiche in der Flüchtlingshilfe. Insbesondere Geflüchtete, die (noch) keinen Integrationskurs besuchen können bzw. dürfen (aufgrund des Status), haben die Möglichkeit über ehrenamtliche geleitete Kurse und Angebote erste Schritte zum Deutschlernen zu unternehmen. Zahlreiche Freiwilligenagenturen bieten verschiedene Engagementmöglichkeiten in der Sprachvermittlung an. Dabei kann man grundsätzlich zwischen drei Zugängen unterscheiden:

Sprachübungsangebote

Der einfachste Zugang zur deutschen Sprache eröffnet sich bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten und Begegnungsformaten. Hier steht das gegenseitige Kennenlernen und die Aktivität von Freiwilligen und Geflüchteten z. B. beim gemeinsamen Sport, beim Kochen im Vordergrund und die Geflüchteten können nebenbei ihre Sprachkenntnisse anwenden und erweitern. Erfolgreich sind auch offene Formate zum Deutsch üben, zum Beispiel das Sprechcafé in der Freiwilligenagentur Cottbus: Einmal in der Woche treffen sich im Gemeinwesenszentrum Deutsch – Muttersprachler/innen mit geflüchteten Menschen und unterhalten sich an verschiedenen Tischen, eingeteilt nach Sprachniveau, zu selbstgewählten Themen.

Die Freiwilligenagentur Landshut bietet mit ihrem Projekt „Café Deutsch“ einen gemeinsamen Treffpunkt für ihre Sprachtandems. Hier treffen sich Freiwillige und Geflüchtete mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache, um bei einer Tasse Freundschaftskaffee auf dem jeweiligen Sprachniveau die erworbenen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden und zu vertiefen.

Sprachpatenschaften

Für Menschen, die sich in einem Kursangebot aus verschiedenen Gründen schwer tun oder ergänzend zum Deutschkurs bietet sich eine individuelle Einzelförderung z.B. in Form einer Sprachpatenschaft an. Sprachpaten können im Alltag Sprache vermitteln und Geflüchteten die Verständigung im täglichen Leben erleichtern. Beispiele für Freiwilligenagenturen, die Sprachpatenschaften speziell für Geflüchtete anbieten, sind z.B. die Freiwilligenagentur „Anpacken mit Herz“ in Weilheim, das Forum Ehrenamt Königswinter oder die FreiwilligenAgentur Schwandorf.

Ehrenamtliche Sprachkurse

Ehrenamtlich geleitete Sprachkurse sollten nicht als „kostenlose Konkurrenz“ zum Sprachunterricht, wie er in Volkshochschulen oder Sprachinstituten angeboten wird, betrachtet werden. Vielmehr sind die Kurse, die von Freiwilligen angeboten werden, eine gute Ergänzung oder andere Herangehensweise. Beide Formate haben unterschiedliche Zielgruppen und Methoden. Bei Kursen wie „Deutsch als Fremdsprache“ wird auf möglichst homogene und nach Sprachniveau gestaffelte Gruppen geachtet. Eine bestimmte Leistung muss also zum Abschluss eines solchen Kurses erbracht werden. Bei von Freiwilligen geleiteten Deutschkursen werden hingegen in der Regel grundlegende Deutschkenntnisse vermittelt, mit deren Hilfe man den Alltag meistern kann: sich anderen Menschen vorstellen, einkaufen gehen, nach dem Weg fragen. Die freiwilligen Kursleiter/innen können stärker auf die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Herkunftsländern, Bildungsniveaus, Altersgruppen und Fähigkeiten eingehen. Außerdem können Kursteilnehmer/innen als „Kursunterstützer/innen“ bzw. „Co-Trainer/innen“ tätig werden und z.B. einzelne Teilnehmer/innen gezielt unterstützen. Es sollte in den Sprachkursen von Anfang thematisiert werden, dass allein gute Deutschkenntnisse in der Regel noch nicht dazu ausreichen, eine Arbeitsstelle zu bekommen oder den Aufenthaltsstatus zu verändern.

Qualifizierung für Kursleiter/innen

Erfahrung im Unterrichten oder der Sprachvermittlung ist für die Freiwilligen zwar von Vorteil – aber keine zwingende Voraussetzung. Schulungen in verschiedenen Regionen sind z.B. in diesem Blog gelistet. Wichtig sind Angebote, in denen sich die Deutschlehrenden austauschen können: Das kann eine Deutschsprechstunde in der Freiwilligenagentur mit Tipps für die Unterrichtsgestaltung oder zu hilfreichem Material sein, oder regelmäßige Austauschtreffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen zu teilen und Anregungen weiterzugeben.

Lehrmaterialien

Im Internet sind zahlreiche kostenfreie Materialien für den Deutschunterricht zu finden, dazu gehören unter anderem Bildwörterbücher, Arbeitsblätter, Sprachkurse fürs Selbststudium oder Apps, die z.B. beim Vokabellernen helfen. Eine Auswahl hilfreicher und praxiserprobter Angebote hat die Freiwilligenagentur Landshut zusammengestellt.Um günstige Lehrbücher zu erhalten, bieten sich Kooperationen mit dem örtlichen Buchhandel an: Das Forum Ehrenamt Königswinter hat z.B. in Zusammenarbeit mit den lokalen Buchhandlungen eine Spendenaktion ins Leben gerufen: Lehrbücher liegen in den teilnehmenden Buchhandlungen aus und können vor Ort erworben und gespendet werden. Die Buchhandlungen leiten diese Buchspenden dann direkt an die Sprachpat/innen weiter.

Tipps für die Unterrichtsgestaltung

Tipps für die Unterrichtsgestaltung bieten z.B.

 

Foto: Freiwilligenagentur Cottbus, Antje Müller

„Sprache schafft Chancen“

Die lagfa Bayern fördert und unterstützt in Bayern mit ihrem Projekt „Sprache schafft Chancen“ ehrenamtliche Leiter/innen von Deutschkursen sowie Initiativen und Projekte von FA/FZ/KoBE (Freiwilligenagenturen/-zentren, Koordinierungszentren bürgerschaftlichen Engagements), die Asylbewerber/innen die deutsche Sprache beibringen. Das Angebot beinhaltet mehrere Bausteine: eine Sachkostenpauschale für die Kursleiter/innen, Austauschtreffen und Schulungen zur Sprachförderung.

Tipps und Erfahrungen bei der Sprachförderung durch freiwillige Kursleitungen von Uschi Erb, Projektleiterin „Sprache schafft Chancen“:

  • Kein einheitlicher Lehrplan und Unterrichtsmaterialien
    Zum einen verfügen die Kursleiter/innen über eine sehr unterschiedliche Vorbildung (manche haben eine pädagogische Vorbildung, manche nicht), zum anderen sind die Schüler/innen sehr heterogen. Daher brauchen die Ehrenamtlichen Unterstützung und auch ein Schulungsangebot, schließlich gehört der Erstunterricht in einer neuen Sprache zur großen Herausforderung an die Kursleitung. Es werden auch Analphabeten unterrichtet, das heißt, diesen Menschen wird erst das Lernen beigebracht. Auch da braucht man die richtigen Methoden.
  • Austauschtreffen
    werden von den Ehrenamtlichen als der wichtigste Teil in unserem Projekt bezeichnet und unterstützen sie enorm in ihrer Tätigkeit.
  • Ersatz der Auslagen
    Niemand kann und will auf Dauer Bücher, die eigenen Fahrtkosten usw. finanzieren.
  • Schulungen
    Hier empfehlen sich neben Tipps und Tricks bei Didaktik, Pädagogik und Sprachwissenschaft, auch Informationen zu Sitten und Gebräuchen in anderen Kulturen oder Hinweise zu Grenzen und Pflichten im Ehrenamt.
  • Regeln
    Kurse, in denen von Anfang an ganz klare Regeln festgelegt werden, laufen besser.
  • Ende und Abschied
    Von Anfang thematisieren, dass die Schüler/innen eventuell nicht in Deutschland bleiben. Aber auch, dass gute Deutschkenntnisse noch nicht dazu beitragen, dass man eine Arbeitsstelle bekommt oder sich der Status ändert.

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