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3. Kooperationen gestalten

 


Die Hilfe für Geflüchtete zeigt sich als buntes Feld, das jeweils vor Ort anders ausgeprägt ist. Verschiedene Akteure arbeiten daran mit, die natürlich auch jeweils ihre eigenen Wertsysteme und Interessen verfolgen. Hierzu zählen zum Beispiel die (politischen) Flüchtlingsräte, die (eingespielten) Wohlfahrtsverbände, die (aktiven) Kirchen- und die (kaum gesehenen) Moscheegemeinden, die noch jungen, spontan organisierten sozialräumlich organisierten Helferkreise und Initiativen sowie die manchmal kreativen kommunalen Verwaltungen. Dazu kommen noch alte vertraute Partner oder manchmal auch Konkurrenten von Freiwilligenagenturen im sozialen Nahraum, wie das Quartiersmanagement, Bürgerstiftungen, Nachbarschaftshäuser, Mehrgenerationenhäuser und Bildungs-, Kultur- und Sporteinrichtungen. Gerade wenn man das Feld perspektivisch auf das Thema Integration fokussiert, kommen Migrantenselbstorganisationen und Asyl- und Migrationsberatungsstellen hinzu.

Zunächst sollte man sich mit den wichtigsten Akteuren, ihren Wirkungsprofilen und den jeweiligen Ansprechpartnern vor Ort vertraut machen („Stakeholder-Analyse“). Viele sind bereits bekannt, aber wo gibt es (neue) Schnittmengen bei der Flüchtlingshilfe? Wen sollte man noch kennenlernen? In welcher Form wären Kooperationen sinnvoll? Auffallend ist, dass in vielen Analysen und Studien das positive Klima vor Ort einhellig beschrieben wird. So gaben bei einer bagfa-Umfrage im September 2015 rund 70 Prozent der Freiwilligenagenturen an, dass die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und auch mit der Kommune gut bis sehr gut sei. Also kann man die besondere Situation in der Flüchtlingshilfe auch dazu nutzen, bislang „verschlafene“ oder „problematische“ Kontakte zu aktivieren, um neue Möglichkeiten und Formen der Kooperation auszuloten.

Die Wahl der Kooperationspartner sollte strategisch angegangen werden. Also: mit wem, mit welchem Ziel und mit welchem Nutzen kooperiert die Freiwilligenagentur? Interessant könnte es sein, zu versuchen, eine neue, ungewohnte Mischung an Kooperationspartnern zu gewinnen, also etablierte und junge Akteure, einheimische und Migrantenorganisationen zusammenzubringen, um möglichst unterschiedliche (Lern-) Erfahrungen machen zu können. Auch Unternehmen zeigen sich bei dem Themenfeld interessiert und wünschen sich neue Erfahrungen und Kontakte (z.B. über Social Days) für ihre Belegschaft zu Geflüchteten.

Neben der Kontaktpflege und der Beteiligung an Netzwerken ist sicherlich eine ressourcen-schonende Fokussierung auf ausgewählte Kooperationen sinnvoll. Zwei Kooperationspartner sind in jedem Fall grundlegend für die Flüchtlingshilfe: die Kommune und die (neuen) Initiativen und Helferkreise:

Zusammenarbeit mit Kommunen

lobby-leitfadenDie Zusammenarbeit mit der Kommune sollte in jedem Fall (neu) intensiviert werden, sowohl was die politische Vertretung (Stadtrat und Bürgermeister/in) als auch was die Verwaltungsebene betrifft. Dort werden in der Regel die wichtigsten Rahmenbedingungen vor Ort gestaltet und die entsprechenden Budgets verwaltet.

Wie man in der Kommune „zum Thema wird“, zeigt der bagfa-Leitfaden „Thema werden: Politische Netzwerkarbeit und Interessenvertretung von Freiwilligenagenturen.“ (PDF) auf.

Frank Gerhold (Freiwilligenagentur Kassel) hat eine Potenzialanalyse (PDF) dazu aufbereitet, was die Kommune, was die Freiwilligenagentur in die Hilfe für Geflüchtete einbringen kann.

Kooperationen mit Helferkreisen und Initiativen

  • bei der Zusammenarbeit mit Freiwilligen: Die Freiwilligenagentur kann dabei moderierend und beratend mitwirken, eine tragfähige Freiwilligenkultur zu etablieren.
  • bei Organisationsentwicklung und -aufbau: In einigen Freiwilligenagenturen gibt es Erfahrungen zur Organisationsberatung, zum Beispiel bei der Vereinsgründung (z.B. Satzungsfragen) oder in der Gewinnung von Vorständen. So kann bedarfsorientiert Starthilfe angeboten werden.
  • bei Vernetzungstreffen: Freiwilligenagenturen können einen Raum und einen (Moderations-)Rahmen geben, damit sich Initiativen zusammenfinden, kennenlernen und so gemeinsame Ideen weiterentwickeln können. Vielfältige Vernetzungsangebote zeigt beispielsweise das Forum für Willkommenskultur der Kölner Freiwilligen Agentur auf.
  • in der Öffentlichkeitsarbeit: Über die verschiedenen Informationskanäle der Freiwilligenagentur können Initiativen bei der Spendeneinwerbung und Rekrutierung von Freiwilligen unterstützt werden.
  • beim Versicherungsschutz: Es kann geprüft werden, ob unter dem Dach der Freiwilligenagentur Initiativen bzw. deren Engagierten Haftpflicht- und Unfallversicherungsschutz mit angeboten werden kann.

 

Foto: Uwe Zucchi

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