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8. Engagement von Geflüchteten fördern

Angebote von Freiwilligenagenturen

Bereits in vielen Freiwilligenagenturen sind Flüchtlinge selbst als Akteure aktiv. So bietet es sich an, zunächst die regulären Angebote auch für Geflüchtete zu öffnen bzw. über Unterkünfte oder Beratungsstellen bekannt zu machen.

Als erste Möglichkeit eignen sich Aktivitäten, die auch ohne intensive Deutschkenntnisse möglich sind, oft kann dabei auch „nebenbei“ die deutsche Sprache geübt und gelernt werden, wie z.B. in den Handarbeitskreisen der Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V. in Wolfenbüttel.

Das Freiwilligenzentrum Caleidoskop startete im Juni 2016 das Projekt „Wochenende größer 7“. Gemeinsam mit freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürgern Stuttgarts erhalten Kindern und Jugendliche aus Flüchtlingsunterkünften die Möglichkeit, ihre neue Umgebung, Stuttgart und Baden-Württemberg am Wochenende und in den Ferien zu entdecken. Der Titel „Wochenende größer 7“ bezieht sich auf die räumlichen Gegebenheiten der Kinder/Jugendlichen. Jedem geflüchteten Mensch stehen 7 qm² zur Verfügung, die er für sich nutzen kann. 7 qm² können an einem Wochenende oder in den Ferien für Kinder ein sehr langweiliger und frustrierender Ort sein. Gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfer/innen will das Freiwilligenzentrum diesen Raum vergrößern. Vielseitige, bunte und kreative Aktivitäten werden von einer Gruppe Ehrenamtlicher gestaltet, organisiert und durchgeführt.

Auch Freiwilligentage können gezielt genutzt werden, um mit Geflüchteten beim gemeinsamen Schnupperengagement in Kontakt zu kommen. Das Freiwilligenzentrum Kassel hat z.B. einen mehrsprachigen Flyer veröffentlicht um Geflüchtete gezielt dazu einzuladen. Die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis hat bei den Mitmach-Aktionen ihres Freiwilligentags eine eigene Kategorie „Mit wenig Deutschkenntnissen“ aufgeführt.

Daneben gibt es die Möglichkeit, Geflüchtete als ehrenamtliche Dolmetscher/innen oder z.B. als Referent/innen (in interkulturellen Workshops für Ehrenamtliche oder für Kinder in Kitas und Grundschulen oder in Kunsthandwerk- und Kochkursen) zu gewinnen. Bei weiteren Agenturen sind Flüchtlinge als Behördenlotsen oder ehrenamtliche Koordinator/innen in Gemeinschaftsunterkünften tätig. Mit solchen Engagementformen wird nicht nur das Engagement der Geflüchteten ermöglicht sondern zugleich ihre gesellschaftliche Teilhabe gestärkt.

Projektansätze

thumbnail of bagfa_Leitfaden_UnterwegsEinige Freiwilligenagenturen haben sich bereits auf den Weg gemacht, das freiwillige Engagement von Geflüchteten systematisch zu stärken und haben eigene Projekte entwickelt. Ein wichtiger Baustein ist dabei die interkulturelle Öffnung von Einsatzstellen. Wer als Freiwilligenagentur in dieses Feld einsteigen möchte, sollte natürlich auch sich selbst interkulturell geöffnet haben. Hinweise dazu finden Sie im bagfa-Leitfaden: „Unterwegs! – Anregungen zur interkulturellen Öffnung von Freiwilligenagenturen“. (PDF)

Die Freiwilligenagentur Jena berät innerhalb des Projektes „Brücken bauen – Gutes tun. Förderung interkultureller Freiwilligentätigkeit“ Organisationen zu den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Geflüchteten, den Vorteilen einer interkulturellen Öffnung ihrer Einrichtung und Möglichkeiten sich als Team bzw. Leitung der Einrichtung in passenden Feldern weiterbilden zu lassen. Sie bietet vorbereitende und begleitende Schulungen an, um Schwierigkeiten frühzeitig und konstruktiv zu begegnen. Außerdem vermittelt sie passende Engagementbegleiter/innen, die die Freiwilligen während der ersten Zeit begleiten und aus dem Herkunftskulturkreis stammen.

Seit dem 1. Mai 2016 setzt die bagfa (gefördert durch das BAMF) gemeinsam mit zehn Freiwilligenagenturen für drei Jahre das Projekt „Das Engagement von und mit Flüchtlingen stärken – Begegnung schaffen und Beteiligung ermöglichen“ um. „Teilhabe durch Engagement“ lautet dabei die Formel, geflüchtete Menschen mit freiwilligem Engagement vertraut zu machen, sie zu ermutigen und darin zu unterstützen, sich in Gemeinschaft mit anderen für die Gesellschaft zu engagieren. Folgende Ansätze werden von den teilnehmenden Freiwilligenagenturen besonders verfolgt:

  • Ich zeige dir mein Engagement: Gemeinsame Aktivitäten von bereits Aktiven und geflüchteten Menschen,
  • Engagement-Tandem: Geflüchtete und Freiwillige übernehmen gemeinsam ein Engagement,
  • Ideenwerkstätten: Freiwillige entwickeln gemeinsam mit Geflüchteten neue Engagement-Ideen im lokalen Gemeinwesen.

Engagiert dabei!

Ahmad Stifan, Freiwillig aktiv beim Freiwilligenzentrum Kassel, hat für die bagfa fünf Freiwillige mit Fluchtgeschichte zu ihren Engagementerfahrungen interviewt.

Stifan„Mein Name ist Ahmad Stifan. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Aleppo, Syrien. Ich bin im Oktober 2015 mit einem Studentenvisum nach Deutschland gekommen und habe bis Sommer 2016 die deutsche Sprache erlernt. Seit Juni 2016 bin ich als freiwilliger Mitarbeiter im Freiwilligenzentrum Kassel aktiv. Zu meinen Aufgaben gehörten folgende Tätigkeiten:

  • Kulturscout und Berater im Bereich der Geflüchtetenhilfe
  • Übersetzungsarbeiten für Infomaterialen (Flyer, Webseite, Facebook) in Arabisch und Englisch
  • Dolmetschertätigkeiten bei Veranstaltungen, wie z.B. Ankommenspaten – Kasseler 3 x 3, der Freiwilligentag usw.“

Was noch wichtig ist

Partizipation ist ein wesentliches Element von Integration. Geflüchtete werden oftmals noch als zu betreuende und zu versorgende (neue) Bevölkerungsgruppe gesehen. Wenn es gelingt, sie als neue Mitbewohner/innen zu sehen, können sie auch als Mitredende und Mitplanende ernst genommen werden. Dies in der Realität umzusetzen ist nicht einfach und oft voraussetzungsvoll (Sprache, andauernder Aufenthaltsstatus und Zugang zum Wesen der Zivilgesellschaft in Deutschland erleichtern dies). Freiwilligenagenturen, die das Engagement von Geflüchteten besonders im Blick haben und ermöglichen, können einen Beitrag zur Aktivierung und Partizipation der Geflüchteten leisten. Sie überlegen nicht nur für sondern mit den Geflüchteten, was vor Ort notwendig ist. Sie können zudem Geflüchtete darin unterstützen, in Runden Tischen oder anderen Vernetzungsstrukturen einen Platz zu bekommen und sich einzubringen.

 

Foto: Freiwilligenzentrum Kassel

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