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9. Begegnungen stärken

 


Das bürgerschaftliche Engagement hat neben Bildungsinstitutionen und dem Arbeitsmarkt ein großes Integrationspotenzial. Es ist weniger durch Normen und Gesetze gebunden und von Interessen gesteuert und hat immer auch das Element des Spontanen und des Gestaltbaren. Engagement kann unkompliziert Begegnungen schaffen und helfen, Berührungsängste von Einheimischen und Zufluchtssuchenden abzubauen. Freiwillige ermöglichen (nach Misun Han-Broich, siehe Empfehlung zum Weiterlesen) dabei auf der persönlichen Ebene:

  • die Kompensation verlorener sozialer Beziehungen und den Aufbau von Vertrauen

  • die Vermittlung des Gefühls des Angenommen und Willkommenseins

  • den Ausgleich negativer Erfahrungen mit Behörden etc.

  • das Lernen von Sprache, Normen, Verhaltensweisen der Aufnahmegesellschaft

  • die Bewältigung praktischer Herausforderungen mit Behörden, Nachbarn etc.


 „Sie (die Freiwilligen) können durch die persönliche Art ihrer Kontakte eine einzigartige Beziehung zu Flüchtlingen aufbauen, indem sie gezielt auf Menschen zugehen, persönliche Berührungspunkte herstellen und mit den Flüchtlingen eine ganzheitliche Begegnung erleben.“
Misun Han-Broich

Gemeinsame Aktivitäten

Freiwilligenagenturen können dazu bereits in niedrigschwelliger Form, wie kleineren Projekten und Aktionen, beitragen, indem sie zum Beispiel gemeinsame Freizeitangebote und Aktivitäten anbieten:

Kochen und miteinander Essen verbindet und entsprechende Angebote sind sowohl bei Geflüchteten als auch Einheimischen beliebt. Die Freiwilligenbörse Kiste im SFK Ibbenbüren organisiert z.B. unter dem Motto „Meet and eat“ gemeinsame Kochabende. Persönlicher und kultureller Austausch stehen im Vordergrund. Es wird gemeinsam gekocht, erzählt und gespielt – ohne dass tiefgreifende Sprachkenntnisse vorhanden sein müssen.

Kochabende können den Start für weitere gemeinsame Aktivitäten der Teilnehmenden bedeuten. Bei der Reihe „Kochkulturen im Dialog“ der FreiwilligenAgentur Regensburg sollen z.B. dadurch auch Sprachpatenschaften entstehen. Im FreiwilligenZentrum Salzgitter haben Geflüchtete und Freiwillige ein „Syrisches Kochbuch“ verfasst. Weitere Möglichkeiten, Begegnungen zu schaffen, sind z.B. gemeinsame Picknicks, Sportveranstaltungen, interkulturelle Feste, gemeinsames Musizieren, Basteln, Gartenarbeit, Verschönerung der Unterkünfte bzw. des Stadtteils oder bei gemeinsamen Malaktionen wie in der Freiwilligenagentur im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) Mülheim hat ein eigenes Begegnungsprojekt auf die Beine gestellt: „Talentwerkstatt“ ist ein Ort für interkulturelle Begegnungen, ein Ort an dem persönliche Talente eingebracht und gefördert werden können. Ein Team aus Ehrenamtlichen entwickelt dort gemeinsam mit Bewohner/innen des Stadtteils mit und ohne Fluchterfahrung Projekte und Angebote mit dem Ziel, ihre Talente und Fähigkeiten in den verschiedensten Bereichen zu entdecken, zu entwickeln und mit anderen Menschen zu teilen. Menschen bringen ihre Talente ehrenamtlich ein, um die Talente anderer Bürger/innen zu fördern.

Seit Februar 2016 führt die lagfa Bayern mit der Unterstützung des Bayerischen Sozialministeriums – das Projekt „Miteinander leben – Ehrenamt verbindet“ durch. Insgesamt sind 20 Freiwilligenagenturen und -Zentren sowie Koordinierungszentren beteiligt, die im Rahmen der Ausschreibung die Förderung erhalten. Ihr Ziel ist es, bürgerschaftliches Engagement als wesentliches Instrument für Teilhabe und Integration zu nutzen.

Finanzierung von Projektideen und Begegnungen

Auch kleinere Veranstaltungen und Aktionen müssen finanziert werden. Förderprogramme für Projekte mit Geflüchteten bieten z.B. die Aktion Mensch. Mit bis zu 5.000 Euro pro Projekt fördert diese auch kleine lokale Angebote, die einen konkreten Beitrag zur Realisierung von Inklusion in unserer Gesellschaft leisten. Das kann zum Beispiel ein Kinderkochkurs sein, ein inklusives Sportangebot oder ein gemeinsames Sommerfest.

Die Robert Bosch Stiftung fördert im Rahmen des Programms „Miteinander, füreinander! Begegnungen mit Flüchtlingen gestalten“ Praxisprojekte, die Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung vor Ort initiieren. Eine Spendenplattform für Projekte für geflüchtete Menschen hat betterplace.org ins Leben gerufen. Auch Unternehmen lassen sich in der Regel gut für Aktionen als Sponsoren oder Spender ansprechen oder über gängige Formate wie Social Days einbinden.

 

Foto: Freiwilligenagentur Landshut (fala)

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